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Licht und LaufTierfotografie als Handwerk

Fiche einer Situation · Licht

Streiflicht: Dellen und Oberflächen sichtbar machen

Streiflicht macht sichtbar, was frontales Licht glättet: Fällt es fast parallel zur Fläche ein, wirft jede Erhebung und jede Vertiefung einen Schatten, und aus der glatten Fläche wird ein lesbares Relief.

Die Seitentür eines dunkelgrauen Kombis in einer Garage, eine flache Handleuchte hält das Licht fast parallel zum Blech, eine kleine Delle wirft eine dünne Schattenkante, im Hintergrund eine helle Wand.

Streiflicht macht sichtbar, was frontales Licht glättet: Fällt es fast parallel zur Fläche ein, wirft jede Erhebung und jede Vertiefung einen Schatten, und aus der glatten Fläche wird ein lesbares Relief. Tierfotografen kennen den Effekt vom Fell, vom Sand und vom Gras. Er funktioniert genauso auf Blech, Holz und Putz, und wer ihn beherrscht, fotografiert eine Delle am Auto so lesbar wie die Welle im Fell eines Hundes.

Dass die Technik auch außerhalb der Tierfotografie gebraucht wird, zeigt ein Beispiel aus der Karosserie: Der Betrieb Débosse 13 in den Bouches-du-Rhône, der Dellen ohne Lackieren ausbeult, bittet auf seiner Startseite für den kostenlosen Kostenvoranschlag um drei bis fünf Fotos, darunter eine Aufnahme mit einer Lichtquelle, die streifend über das Blech läuft und das Relief zeigt.

Warum zeigt Streiflicht, was Frontallicht versteckt?

Frontales Licht, das aus der Richtung der Kamera auf die Fläche fällt, erzeugt kaum Schatten. Kleine Höhenunterschiede verschwinden, weil jede Stelle ähnlich hell ist. Fällt das Licht dagegen in einem sehr flachen Winkel ein, bleibt die Fläche zwischen den Erhebungen im Halbschatten, und jede Kante bekommt eine helle und eine dunkle Seite. Das Auge liest daraus Tiefe. In der Fotopraxis heißt das Verfahren Streiflicht; der zugehörige Artikel der Wikipedia zeigt als Beispiel Bodenwellen, die erst im flachen Licht erkennbar werden.

Je flacher der Winkel, desto stärker die Zeichnung, aber desto größer auch das Risiko, dass die Aufnahme zu dunkel gerät. Als Faustregel arbeitet man in einem Bereich von etwa zehn bis dreißig Grad zur Fläche. Genau lässt er sich nicht festlegen, weil Material und Glanz mitspielen. Entscheidend ist nicht, dass die Fläche hell ist, sondern dass die Schattenkante der Unebenheit sauber steht. Man bewegt deshalb die Lichtquelle, bis diese Kante erscheint, und prüft das Ergebnis am Display, nicht am Gefühl.

Ein brauner Labrador liegt auf einer Holzterrasse, tief stehende Sonne streift flach über das kurze Fell und zeichnet jede Welle des Haars
Dasselbe Prinzip im Fell: Das flache Licht zeigt jede Welle des Haars.

Wo begegnet das Streiflicht in der Tierfotografie?

Zuerst beim Fell. Ein Hund im tiefen Licht des späten Nachmittags zeigt jede Haarrichtung, jeden Scheitel und jede Welle, solange die Sonne seitlich und flach auf ihn trifft. Dieselbe Physik, die auf dem Blech eine Delle sichtbar macht, hebt im Fell die Struktur hervor. Auch Spuren im Sand, Fährten im Raureif und Furchen im Reitplatz werden im Streiflicht lesbar. Wer ein Pferd im Parcours fotografiert, sieht im flachen Seitenlicht auf einen Blick, in welchem Zustand der Boden ist.

Für Fell mit wenig Kontrast gilt das besonders. Der Beitrag über den weißen Hund beschreibt, wie man Zeichnung statt Fläche erhält und Schatten ins Fell legt, statt sie zu vermeiden. Das flache Licht liefert genau diese Schatten, ohne dass man an der Belichtungskorrektur etwas ändern muss.

Wie fotografiert man eine Delle in drei Schritten?

Erstens das ganze Fahrzeug, aus drei bis vier Metern Abstand, damit die Lage der Stelle erkennbar bleibt: Tür, Kotflügel, Motorhaube oder Dach. Zweitens eine Nahaufnahme aus etwa einem Meter, im normalen Tageslicht ohne Direktsonne, mit der Delle in der Bildmitte. Drittens die eigentliche Streiflichtaufnahme: Die Lichtquelle, eine Taschenlampe, eine Handleuchte oder die tief stehende Sonne, wird so geführt, dass das Licht fast parallel zum Blech verläuft, und die Kamera steht senkrecht vor der Stelle.

Für die Kamera genügt ein einfacher Aufbau. Ein Stativ oder eine feste Auflage erlaubt eine längere Belichtung, wenn die Umgebung dunkel ist, und eine Garage oder ein Schatten neben dem Wagen hilft, weil die zusätzliche Lampe dann die einzige Quelle bleibt. Blende f/8 hält die gewölbte Fläche weitgehend scharf, ISO 100 bis 400 hält das Rauschen klein, und eine Brennweite zwischen 50 und 85 Millimetern am Kleinbildformat vermeidet Verzerrungen an gewölbten Flächen. Gemessen wird auf den hellen Rand der Schattenkante; die Delle selbst darf dunkel bleiben.

Was ändert ein Polarisationsfilter auf Lack?

Lack spiegelt den Himmel und die Umgebung, und diese Spiegelungen können die Schattenzeichnung der Delle überdecken. Ein Polarisationsfilter dämpft Spiegelungen auf glatten, nichtmetallischen Oberflächen wie Glas oder Wasser; auf blankem Metall bleibt seine Wirkung gering. Bei einem Fahrzeug mit Klarlack kann der Versuch lohnen, aber man prüft ihn an der Aufnahme, statt ihn vorauszusetzen. Wichtiger ist der Standort: Wer so steht, dass sich in der Fläche ein dunkler Hintergrund spiegelt, etwa eine Garagenwand, hat weniger Störungen als vor hellem Himmel.

Wie eine einzige Quelle Metall und Glas zeichnet, beschreibt die Seite Sachfotografie mit einer Lichtquelle. Die dort genannten Entscheidungen zu Reflexkante, Hintergrund und Abstand gelten für Karosserieblech ebenso wie für Messing.

Was täuscht im Streiflicht?

Staub, Wassertropfen und Pollen werfen im Streiflicht dieselben kleinen Schatten wie eine Unebenheit. Vor der Aufnahme sollte die Fläche deshalb trocken und sauber sein, sonst entsteht ein Bild voller Scheindellen. Eine Lampe mit kleinem, hartem Lichtfleck übertreibt jede Ungleichmäßigkeit, eine breitere Quelle bleibt gleichmäßiger. Wer eine Delle beurteilen will, vergleicht daher zwei Winkel, von links und von rechts, und schaut, ob die Schattenkante mit der Quelle wandert, wie es bei einer echten Vertiefung der Fall ist.

Das Foto zeigt außerdem Relief, keine Maße. Wie tief eine Stelle wirklich ist und ob die Lackschicht dort unversehrt bleibt, entscheidet nicht die Aufnahme, sondern die Begutachtung durch den Fachbetrieb. Ein gutes Streiflichtbild ersetzt den Termin nicht, es macht ihn zielgenauer, weil beide Seiten dieselbe Stelle vor Augen haben.

Was gehört zu den Dateien, bevor man sie verschickt?

Dieselbe Sorgfalt, die für eine Serie vom Hundeplatz gilt, gilt für diese drei Aufnahmen. Dateinamen mit Fahrzeugteil und Blickrichtung, die Reihenfolge Gesamtansicht, Nahaufnahme, Streiflicht und ein kurzer Vermerk zu Datum, Ort und Lichtquelle genügen, damit niemand rätseln muss, welche Stelle gemeint ist. Wie sich so eine Ordnung dauerhaft halten lässt, steht in der Seite wohin mit den Hundefotos.

Wer seine Aufnahmen mit Werten dokumentiert, findet in der Aufnahmedaten-Tabelle das Muster, nach dem sich auch eine Streiflichtaufnahme notieren lässt: Blende, Zeit, Empfindlichkeit, Abstand und Lichtrichtung. Wer die Zeile ausfüllt, kann die Aufnahme am nächsten Tag wiederholen, wenn eine Stelle im ersten Versuch zu dunkel geriet.